Zeichnungen von Helga Gerken-Grieshaber in der Galerie Gerken, Berlin

Am Freitag, den 4. September 2009 ab 19.00 Uhr sind Sie zur Eröffnung der Ausstellung mit

Zeichnungen 1992-2001

von Helga Gerken-Grieshaber

eingeladen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Beitrag von Cornelia Kleÿboldt.

Die Ausstellung ist vom 5. September bis zum 9. Oktober 2009 zu sehen.

Die Galerie ist Dienstags bis Freitags von 11-18 Uhr und Samstags vo 13-18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

Galerie Gerken, Auguststraße 49, 10119 Berlin-Mitte

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Malerei von Gisela Heide im Kunstverein Ebersberg

Am 12.09.2009, um 18 Uhr, sind Sie zur Eröffnung der Ausstellung

per-sonare

mit Malerei von Gisela Heide

mit einer Einführungsrede von Cornelia Kleÿboldt

eingeladen.

Die Ausstellung ist vom 13. September bis zum 4. Oktober 2009 zu sehen.

Die Öffnungszeiten der Galerie sind

Freitag, Samstag, Sonntag 14-18 Uhr

Kunstverein Ebersberg e.V.
Galerie „Alte Brennerei”
Im Klosterbauhof 6
85560 Ebersberg

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Patti Smith im Haus der Kunst, München

15.12.2008 Patti Smith im Westflügel des Haus der Kunst. Eingeladen und vorgestellt vom Direktor des Hauses der Kunst, Chris Dercon, und von seinem Team, kam Patti Smith zum wiederholten Male als Gast nach München und ins Haus der Kunst. Sie hat sich einladen lassen als „carte blanche“ und für drei Abende. Was gestern im Haus der Kunst im Rahmen der Ausstellung „Spuren des Geistigen in der Kunst“ bei der auch Arbeiten von Patti Smith vertreten sind, mit einer Diskussion um Gott, Religion und die Kunst und vor allem mit Christoph Schlingensief, mit dem P.S. befreundet ist, begann, wurde heute abend fortgeführt in einem Abend mit Bildern, Texten, Gedichten und Liedern und vor allem mit dem 1976 in Lonon geborenen Cellisten Adrian Brendel, dem Sohn von Alfred Brendel. Morgen schließt die Veranstaltung mit einem Auftritt von Patti Smith in der Allerheiligenhofkirche.

Christ Dercon stellt Patti Smith als Schamanin in Gestalt der Sängerin, Dichterin und bildenden Künstlerin vor. Rock Musik sei ihr Ausdruck von Trance, Extase und Hypnose. Gott und Religion sei ein Thema für Patti Smith, die ihre Zwiegespräch mit Gott findet, ohne zuvor durch eine „Servicestation“ gehen zu müssen. Ihre Gefährten sind William Blake, Antonin Artaud, Robert Mapplethorpe und ihr verstorbener Ehemann Fred Sonic Smith und von Kindheit an bis jetzt der französische Dichter Arthur Rimbaud.

Patti Smith’s Auftritt steht unter dem Motto Words, Music und Bilder. Sie tritt auf – wie immer – weisses Hemd, Jeans, helle Cowboystiefel (Knobelbecher), eine schwarze Krawatte mit kleinen weissen Flecken, verknautscht und vollkommen lose um den Hals gelegt, zwischen Schmuck und Galgenstrick, ein schwarzes Jacket und eine schwarze Wollmütze. Ihr Gesicht androgyn und ihr Mund riesig, ihre Augen manchmal lachend, dann weinend, zärtlich, haltlos, voller Freude, dann vollkommen ungehalten und manchmal zusammengezogen wie die eines Eskimomädchens. Das Gesicht auch manchmal wie das eines Affen, pur und unkontrolliert und vollkommen präsent. Nicht Mann, nicht Frau. Jenseits der Abgrenzung, jenseits fester Zuordnungen. Sie kommt herein und mit ihr eine Woge und ein Taumel, die so stark sind als müsse man umfallen, als würde es einen um den Verstand bringen.

Hinter ihr Projektionen von schwarz weiss aufgenommenen Fotografien, Filmausschnitten und der einzigen Farbszene: eine Herde galloppierender schwarzer Pferde vor einem roten Himmel.
Sonst: eine Kirchenorgel in Plastik eingeschlagen, verwelkende Rosen, Rosenkränze, Steinskulpturen, Architekturen von riesigen Brücken, Filmszenen, in denen Patti unter ihren Freunden performt, Bilder aus ihrem Haus und eine Aufnahme in die Kuppel des ältesten, europäischen Parlamentgebäudes, das ausgerechnet in Guernica steht und eines der wenigen Gebäude ist, die den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Zu Recht, meint Patti.

Die Schicksale der Menschen, sind ihr Schicksal und sie teilt es mit jenen, die sie kennt und mit jenen, die sie nicht kennt. Mit dem jungen Mann, der 5 Jahre Lang in Guantanamo gefangen gehalten wurde, ohne Licht und ohne jeden Beistand, den einzig die Gedanken und Gebete seiner Familie am Leben gehalten haben und der auch im Augenblick seiner Freilassung seiner Familie in Ketten vorgeführt wurde. Als letzter Demütigung Bush’s.

Als Patti Smith das Lied für jenen jungen Mann gesungen hat, den sie nie getroffen hat, dessen Schicksal sie allerdings mit größter Anteilnahme verfolgt hat, da hat es sie schier vor Schmerz zerrissen und als sie nach dem Lied ihre Gitarre an den hinteren Rand der Bühne, mit dem Rücken zum Publikum abgelegt hat, da war es, als bräuchte sie diesen Augenblick, um sich zu fangen.

Wenn Sie ihre große runde Brille aufsetzt, dann wirkt sie im ersten Augenblick wie eine Märchenerzählerin und im zweiten Augenblick verwandeln sich die von ihr gelesenen Worte in den Vollzug der Worte, in eine Performance, in der das Publikum anfängt, die von ihr gehämmerten, genagelten, gefügten, gefliesten Wortströme, Wortteppiche, Klanggebilde, Mantren und Gebete, die flehentlichen Sprechgesänge eines kleinen Jungen, der von seinem verstorbenen Vatern auf dessen Schiff geholt werden will, mitzuvollziehen.

Manche Sätze kommen überklar, andere verschwinden ganz und gar im Klang und in eben jener Trance, die die Performance der Künstlerin auslöst, während sich ihre Worte aus ihrem Körper und in den Körper schrauben, den Zuhörer jagen, wie lebendige Pfeile und ihn fliegen lassen, wie die Vögel, wie den Wind, der immer wieder in ihren Texten auftaucht, der Wind, der durch Bäume und durch Gräser streift.

Sie begrüsst ihr Publikum mit einem München Lied: Sie kommt nach München, der Vollmond ist noch fast voll, der Himmel feucht und schwer von Schnee und sie spricht in ihrem Lied über die beeindruckenden Architekturen und schließlich über den Portier ihres Hotels, den sie nach der Person fragt, die von einer Skulptur dargestellt wird. Der Portier weiss es nicht. Patti singt, dass wir auch an unsere Vorfahren denken müssen.

Was auch immer sie zeigt oder singt: immer ist es der Anfang zu einer weiterführenden Geschichte, die Oberfläche eines Momentes, der in die Tiefe führt. So führt sie mit ihrem Gesang auch ihr Publikum in die Stille. Zeitweilig.

Bei dem zweiten Lied stellt sie ihren „neuen Freund“ vor, den sie „gestern“ zum ersten Mal getroffen hat: Den Cellisten Adrian Brendel, der sie durch den Abend begleiten wird. Und das tut er, voller Hingabe, folgt er der Stimme von Patti Smith, folgt ihren Gittarrenakkorden (die oft wie eintöniges Geschrammel klingsen – sie spielt ihre Gitarre, wie ein Schamane seine Trommel, die Gitarre ist ihr Pferd, das ihr hilft im Laufe eines Liedes hineinzukommen in die Kraft eines Liedes, die Intensität zu steigern).

Brendel lehnt sich zunehmend hinein in sein Erleben ihres Gesanges und begleitet sie mit gezupftem Cello, das er hält wie eine Gitarre, mit gestrichenem Cello und folgt ihr solange, bis sein Cello anfängt zu antworten und eigenständig zu spielen.

Patti Smith bemerkt, das Publikum solle sich nicht wundern, wenn die Lieder uns „familiar“ vorkämen – sie kenne nur fünf Akkorde – Adrian Brendel kenne immerhin sechs Akkorde.

Im Laufe des Abends stellt sich jedoch heraus, dass Smith im Grunde nur einen einzigen Akkord braucht – ihr liebster sei früher a-Dur gewesen (eine beliebte Mozart-Tonart!) und sei heute a-moll.

Adrian Brendel erschafft vor allem bei der Rezitaion des letzten Gedichtes mit seinem Cello, ein unendlich zartes, kraftvolles, einfühlsames und überaus reiches Klanggebilde, das den unhörbaren Teil ihrer Stimme hörbar macht, auf und mit ihr tanzt und er bleibt schließlich übrig, mit den letzten Tönen seines Cellos.

Patti Smith singt für ihren verstorbenen Ehemann Fred Sonic Smith ein Lied von Neil Young. Singt „Helpless“, ist helpless und blickt immer wieder nach oben, als wäre von dort Hilfe zu erwarten. Sie singt über das Schäfermädchen, das sich in einen Priester verliebt und der niemals von ihren Gefühlen erfahren wird. Sie erzählt von ihrer Norfolker Verwandtschaft, die alle Schäfer gewesen seien. Sie hätte vergeblich nach einem Dichter oder Maler gesucht: in der Verwandtschaft hätten die meisten mit einem x unterschrieben…
Sie singt „The people have the power…“ (Birdland 1975) und „Walking without chains“ (für den Guantanamo Häftling)

Das Publikum jubelt frenetisch und will sie nicht gehen lassen. Sie singt noch zwei Zugaben: ein Weihnachtslied aus ihrer Familie, das nur 1 Minute dauert, mit gerösteten Kastanien im offenen Feuer beginnt und mit Merry Christmas endet. Und last not least, nach weiterem Jubel: Because the night belongs to lovers…. Sie hört dem Publikum zu und vergisst zu singen.

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Gemälde von Helga Hornung

Im Münchener Hilton Hotel am Rosenheimer Platz hängen zur Zeit Gemälde von Helga Hornung, die mit ihrem Partner, dem Maler Philipp Reisacher, in Ottobeuren lebt und arbeitet.

Es fällt mir nicht leicht, über die Gemälde von Helga Hornung zu sprechen. Viel zu sehr hängen sie mit Unaussprechlichem zusammen.

Es ist von daher leichter zu sagen, was die Malerei von Helga Hornung nicht ist, als zu sagen, was sie zu jener Besonderheit macht, die durch sie hindurchwirkt.

Ich habe schon einmal im Auftrag von Helga Hornung über ihre Malerei geschrieben und dort gesagt, dass die Kraft ihrer Malerei “ungebrochen” sei. Das möchte ich auch nach meinem heutigen Besuch bei ihren Bildern sagen.

Was ich vis à vis der Gemälde von Helga Hornung erlebte, hat mich sehr stark berührt. Es war, als würde der Anblick ihrer Gemälde physisch auf mich einwirken.

Jedes der Gemälde verströmte eine andere Art von Energie, fühlte sich in und auf meinem Körper anders an.

Da gab es tatsächlich so etwas wie die Energie “lachenden Sonnenlichtes”, das stärkend und ermutigend für den Tag und für die zu bewältigenden Abenteuer zur Verfügung steht und es gab jene Energie, die in kaum greifbare, geheimnisvolle Tiefenräume einleuchtet wie mattes Mondlicht.

Der Raum zwischen mir und den Gemälden wurde jeweils physisch greifbar, stand wie eine Wand vor mir und umhüllte mich wie ein zweiter Körper, der nicht aus Fleisch und Blut bestand.

Alles zusammen wirkte aufs Herz.

Die Augen aus den Gemälden schienen von hinter den Gemälden, aus einer anderen Welt, durch mich hindurchzusehen und mich unverwandt dort anzublicken und zu treffen, wo ich eben gerade stand

Ich sah die vordergründige Schönheit der Gemälde, ihre leuchtenden Farben und ihre klaren oder besser: vollkommen geklärten Formen und ich erlebte ihre Wirkmacht, die für mich schier überwältigend war.

Was mich berührte war stärker, als das, was ich sehen konnte. Mein Verstand reagiert kleingeistiger als mein Körper fühlen kann.

Das, was auf den Bildern gemalt ist, das mag der eine schön, der andere kitschig finden. Das, was die Bilder transportieren findet jenseits Geschmacksfragen statt.

Manch einer wird daraus vielleicht eine Art indianischer Weltmythologie oder ein Naturmärchen ablesen wollen.

Wieder ein anderer wird vielleicht sagen “Was für schöne Kinderbuchmotive…!” und noch ein anderer wird diese Bilder als “zu schön” für diese Welt empfinden.

Nichts dergleichen ist wahr und ich bin die Erste, die auf dergleichen “Harmlosigkeiten” des Augenscheins hereinfällt, um im gleichen Augenblick daraus zu erwachen.

Dann wird deutlich, das auch die Bildsprache in keinster Weise “harmlos” ist.

Körperlose Körper, raumlose Räume, gegenstandslose Gegenstände und reine Farben erzählen nicht von der Künstlerin selbst, sondern sind jene in Form gebrachten Kräfte, die auf die Künstlerin einwirken, die sie ohne jedweden eigenen Kommentar hindurchläßt und die sie damit verwirklicht.

Während ich die Bilder ansehe, regt sich mein ganzer Körper. Wunden fühlen sich Wund an, mein Verstand versteht gar nichts mehr und mein Herz öffnet sich.

Diese Gemälde sind Schlüssel. Sie schließen mich, den Betrachter, auf.

Sie berühren und erschließen jene Räume, die einem Menschen in seine Gesamtheit verhelfen und in jene wahren Bezüge in denen er steht.

Die Gemälde von Helga Hornung sind starke Medizin. Und es sind Äpfel von jenem Baum, von dem alle abstammen.

Sie sind jene Medizin, die die Künstlerin sich selbst verabreicht und es ist die Medizin, die mir mehr gibt, als mir oft lieb ist und als ich bereit wäre zuzulassen.

Als ich schier atemlos die Hotelhalle verlasse, weiss ich nicht, wie mir eigentlich geschehen ist.

Ich spüre nur, dass ich mit einer Wucht in Berührung gekommen bin, die für mich noch kaum benennbar, geschweige denn differenzierbar ist.

Die Gemälde von Helga Hornung wirken. Unmittelbar. Sie gehören mit zu den wuchtigsten Gemälden, die ich je erlebt habe.

Nach der Ausstellung war mir, als liefe ich mit einem offenen Herzen durch die Gegend und ich hätte nicht sagen können ob es Schmerz oder Freude, Wunde oder Offenheit war.

In jedem Fall fühlte sich mein Herz viel größer an als noch wenige Augenblicke zuvor.

Cornelia Kleÿboldt M.A.

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Mit KunstBeschreibung auf GalerienTour

Die Jungerfernfahrt einer KunstPiratin hat stattgefunden…

4 Münchner Galerien im Hinterland des Kunstareals zwischen Theresien-, Augusten- und Gabelsbergerstraße wurden am 11.12.2007 zwischen 19.00 und 21.00 Uhr von den Teilnehmern einer GalerienTour unter dem Namen “KunstBeschreibung mit Cornelia Kleÿboldt” geentert. Dabei gingen ebenso kostbare wie vielfältige KunstStoffe in den Besitz einer begeisterten und wissensbegierigen Horde von KunstPiraten über.

Film und Fernsehen waren leider nicht zugegen, so dass wir hier nicht mit visuellen Beweismaterialien aufwarten können. Allerdings liegt uns eine eindeutige, schriftliche Reaktion einer Besucherin vor, die wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchten:

Liebe Frau Kleyboldt,

sehr herzlich möchte ich mich bei Ihnen für die außergewöhnlich interessante Führung durch die Schwabinger Galerienwelt bedanken. Nicht nur die Auswahl der Galerien/Künstler (was für ein schönes Kontrastprogramm!), sondern vor allen Dingen die Art wie Sie uns die Kunst vermittelt haben, hat mich sehr angesprochen. Sehr oft “schalte” ich spätestens nach einer Stunde Führung ab und rase in einem Eiltempo durch den Rest einer Ausstellung weil ich nichts mehr aufnehmen kann.

Sollten Sie in nächster Zeit weitere Führungen anbieten oder mal in Museem/Ausstellungen gehen, würde ich mich sehr freuen, wenn ich mich Ihnen anschließen dürfte.

Beste Grüße

Kurz und gut:

Die erste Galerieführung mit KunstBeschreibung Cornelia Kleÿboldt war ein voller Erfolg:

Ein Trupp von Kunstliebhabern und solchen, die es werden wollten – Professoren, Doktoren, Rechtsanwälte, Kommunikationsexperten, Unternehmensberater, Programmierer, Kunstsammler und Neugieriege – liess sich – trotz gehäuftem Auftreten von betrieblichen Weihnachtsfeiern – vom Angebot der Kunsthistorikerin aus dem Haus und auf KunstTour in die Galerien locken.

Erstmals und gleichzeitig fand auch die Abendöffnung einiger Galerien im Kunstareal statt, die angesichts des Schneeregens leider von relativ wenigen Besuchern angenommen wurde. Diese nutzten allerdings um so aufmerksamer die Möglichkeit, sich nach Arbeitsende bzw. Geschäftsschluss in aller Ruhe in den Galerien umzusehen.

Mit 28 Personen und fünf weiteren Anfragen, war die Führung hingegen mehr als ausgebucht… ursprünglich als Versuchsballon geplant, stieg sie nun in den Himmel der Kunstführungen auf wie ein leuchtender Weihnachtsstern!

Die Kunsthistorikerin freute sich. In Zukunft ist allerdings eine Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 15 Personen geplant, damit nicht nur der Vortrag sondern auch das Gespräch und die Auseinandersetzung der Teilnehmer mit der Kunst stärker in den Vordergrund rücken können. Solches war bei 28 Teilnehmern nur ansatzweise möglich.

Die Tour begann mit den Bildern des Malers Christian Frosch in der Galerie Dina 4 Projekte. Eine Kunst, die minimaler und konkreter aussieht als sie ist, die durch ihre “einfache” Komplexität und durch unerwartete Bildlösungen bereichert, verblüfft und auch mal zum Lachen bringt.

Was hat sich der Maler wohl gedacht, als er ein sauber geputztes 1 Liter Farbeimerchen mit eingetrockneter, grüner Farbe an die Wand hing und es dann zum Bild erklärte?

Es sieht so aus als würden Mythen der Malerei durch die Arbeit von Christian Frosch auf den blank geschrubbten Boden der Tatsachen geholt. Die Seele seiner Malerei läßt sich nicht zuletzt im sorgfältig ausgeführten Abstrich aus gelber Farbe blicken…

Die KunstPiratin hatte sich ihren Stoff gründlich angeeignet und erzählte die zu den Kunstwerken passenden KunstGeschichten.

Weiter ging es in “Dina’s Garage” mit dem angehaltenen “Lebenskarussel” der Bildhauerin Nina Radelfahr, deren Arbeiten mitteilen, was die Künstlerin immer schon zu wissen scheint.

Wenn man ihre schönen, weissen Figuren sieht und sich in deren Traum versetzt, in dem sich hingebungsvolle Körper allmählich verändern, dann war nicht nur eine Betrachterin so berührt, dass sie im Werk von Nina Radelfahr “seelische Zustände” verkörpert sah.

In der Galerie von Claus Semerak ging es dann wieder ganz klar, um nicht zu sagen “knallhart”, um Malerei:

Der Galerist vertritt sehr konsequent Positionen zeitgenössischer Malerei, die sich aus der immer wiederkehrenden Frage ergeben, was kann und will eine Malerei inmitten einer medial vermittelten Bilderflut überhaupt (noch oder erst recht!) leisten und was kann ein Maler tun, damit sein Tun sinnvoll bleibt.

Immer wieder verzaubert Malerei, selbst dann, wenn sie bereit ist, auf alle möglichen Konventionen zu verzichten: Wenn die Malerei “tot” ist (das letzte Mal seit 1981), dann betreiben jene Maler, die an diesem Satz nicht vorbeigekommen sind, eine Arbeit wie die Anatomen. Sie betreiben Grundlagenforschung am Körper der Malerei, der nunmehr “bis auf die Knochen” zur Verfügung steht.

Man möchte angesichts der mehr und mehr vom hard-edge (den harten Kanten) erlösten Farbfeldmalerei von Richard Schur, dem Umgang mit einer malerisch aufgefassten Ornamentik (wie Mäander und C-Bögen) auf bedruckten Kunststoffen von Annegret Hoch und schliesslich den nicht genau fassbaren (es ist leichter zu sagen, was seine Bilder nicht sind!) Bildlösungen von Stephan Fritsch am liebsten von “Antiästhetik”, sprechen. Allerdings stellt man bei jeder Untersuchung dieser Bilder das “Positive” dieser Malerei fest, die sich wie jede Malerei mit den Zusammenhängen von Farb- und Bildraum beschäftigt und dabei stets gegenwärtig bleibt.

Die fleissige Kunsthistorikerin belohnte die Zuhörer in einer Kunstpause mit goldenen Bonbons der Marke W.E. Die hatten sich die überaus aufmerksamen Besucher der Führung wirklich verdient.

Der Galerist wartete überraschend mit Bionade in vier Geschmacksrichtungen auf und gab Aufkunft über sein Galerieprogramm.

Claus Semerak weiss – wie seine Maler – ziemlich genau, was ihn interessiert und das vermittelt er mit Feuer und Flamme. Er kennt sich in zeitgenössischen Positionen der Malerei aus (vielleicht besser als mit seiner Westentasche), sammelt sie und lebt mit ihnen. Seine Beziehung zu den Kunstwerken, die er vertritt ist ebenso emotional, wie er sie präzise in der Kunstgeschichte der Gegenwart begründen und einschätzen kann.

Weiter ging es in die Galerie von Karin Sachs, die mit Spätwerken (Zeichnungen, Collagen auf Leinwand und Objekten) und einer frühen Zeichnung (“Dorina” von 1946, die auch der absolute Höhepunkt der Ausstellung ist) von Carol Rama, eine Künstlerin vertritt, die erst in den letzten Jahren eine grössere Aufmerksamkeit auf dem internationalen Kunstmarkt fand. Carol Rama wurde 1918 geboren, lebt und arbeitet in Turin und wird immer mal wieder mit Louise Bourgeois verglichen. Die späte Berühmtheit (Carol Rama wurde 2003 im Rahmen der Biennale von Venedig der goldene Löwe für ihr Lebenswerk verliehen), die obsessive Arbeitsweise, deren zutiefst biografische Ausrichung und eine vollkommen un-verschämte Auseinandersetzung mit der weiblichen Erotik mögen Gründe für diesen Vergleich sein.

Die Besucher liessen sich insbesondere von Fahrradschläuchen in Bronzeguss und von einem wilden, fliegenden Venustorso verführen. Sie sahen sich überall in der Galerie zwischen “La mucca pazza”, der verrückten Kuh und den “Weissagungen von Birnam” um und ließen die Bilder auf sich wirken, die sich erst mit der genauen Kenntnis der Biografie der Künstlerin so richtig erschließen lassen.

Alle 28 Besucher gingen auch mit zur letzten Station der Führung, die nach zwei Stunden in der Galerie von Michael Heufelder endete. Die Gemälde (Pastelle und Ölbilder) des niederländischen Künstlers Martin van Vreden faszinierten als “virtuelle Bildräume” bei dem sich Bildraum und der Raum des Betrachters manchmal untrennbar ineinander verschränken und die Besucher von der Klarheit und Virtuosität der Ausführung und von der Schönheit der Bildthemen – zwischen Geometrie und prächtigen Blüten – einfangen und faszinieren liessen.

Die KunstPiratin war am Ende ebenso glücklich wie jene, die ihr gefolgt sind. Und ein Wunsch wurde von verschiedenen Seiten geäussert: Das möchten wir wieder haben!

Mal sehen, was sich tun lässt. Wir sind optimistisch.

 

 

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Galerieführung am 11.12.2007

Nach der guten Resonanz auf meine Führungen im Rahmen der OPEN ART 2007 freue ich mich nun, Ihnen (in Zusammenarbeit mit den unten angegebenen Galerien) eine weitere Galerieführung ankündigen zu können:

Am, Dienstag, den 11.12.2007 um 19.00 Uhr – also nach Geschäftsschluss der Galerien – beginnt meine Abendführung durch folgende Galerien in der Maxvorstadt, in München:

Galerie Dina 4 Projekte

Galerie Michael Heufelder

Galerie Karin Sachs

Galerie Claus Semerak

Mehr über die Ausstellungen erfahren Sie hier demnächst. Informationen über mich finden Sie in meinem Flyer oder in diesem Blog.

Die Führung wird ca. 80 Minuten dauern und mit einem gemeinsamen Umtrunk enden.

Sie sind herzlich eingeladen, an der Führung teilzunehmen. Die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro.

Voranmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl!) ab sofort bei Cornelia Kleÿboldt unter: info@cornelia-kleyboldt.de

Cornelia Kleÿboldt

….unterwegs für Sie in Sachen Kunst

 

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Transcendence Supermarket II – Ein Treffen mit der Künstlerin

Angeregt durch den Kommentar zu meinem ersten Beitrag “Transcendence Supermarket”, der nach Bildern verlangte, habe ich vorgestern die Künstlerin Annekathrin Norrmann noch einmal besucht.

Diesmal hatte ich meinen Fotoapparat mitgenommen. Ich wollte einige Fotos von den beiden Ausstellungsräumen machen und von dem beschriebenen Wohnhaus, um meinen Text zu bebildern.

Ich hatte meinen Text noch einmal durchgelesen und mir überlegt, welche Aufnahmen ich machen könnte, um das, was ich in meinem Text zu beschreiben suchte, nun auch in Bildern darzustellen.

Also, dachte ich mir, die chinesische Plastiktüte mit dem Aufdruck “Transcendence Supermarket”, die könnte ich fotografieren. Aber habe ich die nicht hinreichend beschrieben? Außerdem ist sie eigentlich kein Kunstwerk und zugleich ist sie im Kontext der Ausstellung sehr wohl eines. Aber wer braucht die Abbildung einer Plastiktüte mit einem chinesischen Aufdruck? Das kann man sich wirklich sehr gut vorstellen. Und so ging es weiter: die Kühlschranktür, die Objekte im Haus, der Garten… das kann man sich doch alles ganz gut vorstellen. Ein genaues Bild ist hier gar nicht wichtig.

Es gibt in dem Haus endlos viel zu sehen und mir wurde bei meinem erneuten Besuch klar, dass ich das, was ich an jenem Samstag gesehen hatte, niemals würde rekonstruieren können. Schließlich hatte ich mir nicht sämtliche Details gemerkt, die zu jener Wirkung geführt hatten, aus der heraus ich meinen Text geschrieben und die ich zu beschreiben versucht hatte.

Letztendlich war die Wirkung der Ausstellung wichtig. Jene Anblicke, die sie ausgelöst hatten, waren mit dem Abwenden der Augen zu Abbildern im Gedächtnis geworden. Doch deren Entsprechungen sind schon allein deswegen nicht mehr zu finden, weil sich die Bilder im Gedächtnis auf der Stelle verändern.

Die Bilder in meiner Erinnerung unterliegen einer ständigen Bearbeitung. Ich habe so eine Art selbsttätigen “Photoshop” im Kopf, der die Aufnahmen verändert.

Ich saß mit Annekathrin Norrmann am Holztisch in ihrer Küche, und sie brachte zwei Stöße Fotografien mit, auf denen Aufnahmen aus den Ausstellungsräumen zu sehen waren. Spätestens jetzt war klar, dass sich ihre Rauminstallationen nicht über Fotografien derselben vermitteln lassen.

Auf den Fotografien der Ausstellung war nicht die Ausstellung zu sehen, die ich gesehen hatte. Nun, wird man einwenden können, das ist doch immer so mit Fotografien. Ja, antworte ich, ganz richtig, aber ich habe bislang noch nicht erlebt, das der Unterschied so krass ist und das sich die Ausstellung über Fotografien nicht vermitteln lässt.

Die Künstlerin sagte mir, dass sie im Grunde auch ganz glücklich darüber sei, dass sich ihre Arbeit einer direkten fotografischen Wiedergabe weitgehend entziehen würde.

In Annekathrin Norrmanns Ausstellungsräumen sind der Raum und die Objekte nicht voneinander zu trennen. Ihre Objekte sind “Reaktoren”, die Raum, Objekteigenschaften und auch den Betrachter sichtbar machen.

Jene Objekte können fotografische Arbeiten sein. Genau gesagt handelt es sich um fotografische Objekte, da die fotografische Abbildung nie ohne das Format, das Material bzw. ohne die gegenständliche Präsentationsform daher kommt, mit der sie verwirklicht worden sind.

Und es können dazu kombinierte oder separate “Referenzflächen”, Objekte oder bemalte Wandflächen sein, die ohne jede Abbildung, bestimmte Eigenschaften haben: Grösse, Material, Farbe, Farbdichte und Farbtiefe, Oberflächenstruktur, Formeigenschaften und eine Positionierung im Raum, für die sie unter Umständen eigens geschaffen oder gefunden worden sind.

Annekathrin Norrmanns “Bilder” sind “Bildgegenstände” und sie leugnen ihre Objekthaftigkeit nicht. Es gibt bei ihr kein Bild ohne das Ding, den Gegenstand, das Objekt. Der Gegenstand wiederum spielt immer eine Rolle als Objekt im Raum. Als Ding erschafft das Bild den Raum, macht ihn sichtbar. Bildgegenstand und Raum gehen eine enge Bindung ein.

Desweiteren leugnen die Bildobjekte auch die Handlungsebene nicht. Wenn Annekathrin Norrmann auf bzw. um den Wechselrahmen, in den sie ihre Fotografien eingelegt hat, im oberen und unteren Bereich textiles Klebeband klebt, 1-2 cm von der Rahmenkante entfernt, dann erinnert sie damit an jene Handlungsebene, die darauf hinweist, das kein Bild als solches “absolut” und nur Bild ist.

Der Handlungseingriff erfolgt nach Augenmass und regelmäßig. Im Auge des Betrachters ist er ebenso ein Störfaktor, wie er die Wirkung des Bildes wieder auf das Objekt, die Handlung bzw. den Eingriff der Künstlerin und damit auf den Raum lenkt.

Ich möchte hier nicht so tun, als wären all diese Objekte, die Handlungen und Setzungen, durch die ihre Wirkung gestaltet worden ist, vollkommen rational nachvollziehbar. Das, was im Ausstellungsraum, zwischen Raum, Betrachter und Objekt geschieht, überschreitet die Möglichkeiten des Verstandes.

Mein Erleben der Ausstellung zeigt eigentlich, das die Wahrnehmungsmöglichkeiten eines Menschen sich nicht auf seine Verstandesleistungen beschränken. Auch die von der Künstlerin vollzogenen Handlungen und Setzungen ihrer Bildobjekte integrieren Momente, die letztendlich nicht aus dem Verstand allein resultieren. Sogenanntes Spontanes, Unwillkürliches und Intuitives spielen eine Rolle, ohne das damit schon gesagt wäre, was das überhaupt ist.

Sämtliche Bildobjekte, Bildkörper und Referenzflächen sind letztlich auch “Fundobjekte”. Die Handschrift der Künstlerin ist keine “persönliche”. Alles was sie zeigt, war vorher schon da, und sie nutzt Techniken des Abbildens und der Rauminstallation, um diese Fundstücke sichtbar zu machen.

Es ist, als würde die Künstlerin mit ihrer Rauminstallation sagen: Ich bin die Wahrnehmende und nicht das Wahrgenommene. Die von ihr gestalteten Räume bilden die Art ihrer Wahrnehmung ab, nicht das Wahrgenommene. Die von ihr installierten bildnerischen Objekte aktivieren die Wahrnehmung und führen dazu, dass plötzlich “alles” aktiv und aussagekräftig wird.

Die Grenze zwischen Kunst und Nichtkunst wird insofern aufgehoben, als es um das “Sehen” geht und nicht um das “Sichtbare” – auch, und darin besteht die Kunst von Annekathrin Norrmann – wenn das “Sichtbare”, dieses “Sehen” auslöst.

Dieses “Sichtbare” der installierten Objekte ist aber nicht von dem Raum, den konkreten Gegebenheiten, zu trennen. Was im Raum, in seinen Dimensionen, mit seinen Gegebenheiten und mit seinem Lichteinfall funktioniert, das funktioniert auf einer Fotografie nicht mehr.

Das funktioniert vielleicht mit Fotografien, die eben jenes Sehen freisetzen – ein Sehen, in dem zwischen Betrachter, Raum und Objekt, zwischen Lebensraum und Kunstraum nicht mehr zu unterscheiden ist.

Wenn ich meinen ersten Text bebildern wollte, dann müsste ich mein Sehen abbilden. Jenes habe ich versucht in Worten zu beschreiben. Drum braucht es an der Stelle keine Bilder.

Bei meiner Besprechung mit Annekathrin Norrmann und unserer Sichtung ihrer Fotografien, begegnete mir jedoch – trotz all der angeführten Argumente – eine Fotografie, die vielleicht einen direkten Hinweis auf die Kunst Annekathrin Norrmanns geben kann, so wie ich ihre Ausstellungsräume erlebt habe.

Fotografie von Annekathrin Norrmann, o.T., 2007

Es ist ein Foto, das nicht nur das Bild, sondern auch die Spiegelung des Raumes im Bild integiert und obendrein das Licht in diesem Raum wie ein hauchdünnes Gewebe in einer Röntgenaufnahme sichtbar macht. Vielleicht bekommt man so einen Hinweis darauf, wie sich die Kunst von Annekathrin Norrmann anfühlt.

© Cornelia Kleÿboldt

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