Oktober 1, 2007...4:06

Dweezil Zappa & Band im Zirkus Krone – Hommage an Frank Zappa

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Gestern abend habe ich das Konzert von Dweezil Zappa, dem Sohn von Frank Zappa, und von seiner Band im Zirkus Krone besucht.

Von Frank Zappa kannte ich bisher nur ein einziges Lied – Bobby Brown – und wer kennt dieses Lied nicht? Es war nicht zuletzt damals für uns Kids so eine Art tabusprengender Aufklährungsunterricht gewesen.

Es ist übrigens nicht möglich, von diesem Lied auf andere Lieder oder auf einen bestimmten Musikstil dieses – wie ich gestern zu meinem grossen Erstaunen feststellen konnte – unglaublich vielseitigen Sängers, Dichters, Gitarristen, Musikerfinders, Arrangeurs und Bandleaders (im besten Sinne) zu schliessen, der bereits mit 53 Jahren, vor 14 Jahren, an Prostatakrebs verstorben ist.

Am Anfang des Konzertes dachte ich, es handelt sich um so eine Art ebenso experimentellen wie virtuosen Kammer-Jazz-Rock-Blues. Da gab es reine Musikstücke, hochkomplexe musikalische Arrangements, die von Schlagzeug, E-Gitarre, Bass, Percussion, Saxophonen, Keyboards und elektronischen Überraschungseffekten getragen wurden und die ohne Gesang und (zumindest beim ersten Mal hören) ohne jeglichen, musikalischen Reim auskommen.

Es ist eine Musik, die sich jeder Schubladisierung sperrt und dementsprechend eher sperrig und ambitioniert klingt, als eingängig, einschmeichelnd oder überhaupt in eine schnell-konsumierbare Popkultur passend. In den „Jazz“ bzw. „Freejazz“, unter dessen Bezeichnung vieles möglich ist, passt sie auch nicht wirklich. Vielmehr handelt es sich um ein Musikamalgam, das die verschiedensten Ingredienzien unterschiedlicher Musikkulturen, nach dem Geschmack, den musikalischen Fähigkeiten und Gelüsten, den intellektuellen Vorlieben und dem Gehör des Meisters Zappa, verarbeitet und weiterentwickelt.

Am ehesten wurde ich sagen, die Musik ist „Zappa“, verwendet und zappt sich durch Anleihen, zwischen tiefdunkelblauem Blues, der in die Eingeweide schneidet und dort alles anrührt, was nicht ganz festsitzt, Rock, Heavy Metal und den eher intellektuellen Anliegen und Spielarten der Zwölftonmusik, des Freejazz oder aber einer Musik, die bereit ist, auf eingängige Harmonien und wiederkehrende Themen zu verzichten, und dies zu Gunsten nicht unmittelbar verständlicher Anliegen oder von Anliegen, die irgendwo, nicht genau fassbar, zwischen den Zeilen liegen, um sich dann dort, ganz extrem präzise, zwischen den Zwischenzeilen aufzuhalten.

Nicht alles war purer Hörgenuss – im Sinne, dass es „angenehm“ geklungen hätte. Doch gab es auch eingängige und verständliche Schrägen. Dann wiederum gab es Momente, die waren verteufelt wunderschön, rührend und zum mitsingen. Manches klang wie Zirkusmusik, hatte Humor und Spielwitz, featurete das unglaublich virtuose Können der Musiker, und es gab Musik, die einfach und unmittelbar war – wie eben die ausgesprochenen Bluesnummern, die von einem schwarzen Sänger vorgetragen wurden, der wohl noch aus der Original-Zappa-Band stammte. Ja, die Bluesnummern waren echt zum heulen schön. Die haben mir – ausser einzelnen Effekten, Passagen und Momenten – am besten gefallen, weil man da in die Bewegung rein kam und drin bleiben konnte. Davon abgesehen hatte der Sänger die Wucht und Ausdruckskraft derjenigen, die das tun, was sie tun. Besser geht es nicht.

Im Verlauf des Konzertes war nie absehbar, was (musikalisch) als nächstes kommen würde und irgendwann, war ich einfach nur gesättigt, von soviel heftiger Elektronik auf die Ohren. Ja, es war schon sehr laut und irgendwann erlebte ich das dann nicht nur als einen Angriff auf die Ohren, die ich bereits mit spuckebefeuchteten Papiertaschentücherkügelchen gestopft hatte, sondern auch auf den Körper. Ich war dann nur allzu froh, meine „kugelsichere“, dick gepolsterte Weste, anzuhaben.

Nachdem der Zirkus Krone gut gefüllt war mit eingeschworenen Zappaianern, d.h. ca. 35-75 Jahre alten, intellektuell wirkenden, Jeans- und Lederjackenträgern, mit oder ohne langen Bärten, Nickelbrillen oder mit kurzgeschorenen Haaren… Aber es waren auch vollkommen begeisterte Wiesndirndlträgerinnen dabei, die in Extase gerieten. Insgesamt waren allerdings mehr Männer im Publikum als Frauen.

Das Publikum war wie sein Meister: völlig unvorhersehbar. Und es war ein Publikum, das sich mit den Konventionen auf einem Zappakonzert auskannte. Also zum Beispiel mit dem Einsatz eines Victory-Gestus, bei dem beide Arme vollkommen überzeugt hochgerissen werden und dabei jeweils Zeige- und Mittelfinger zu einem V-gespreizt werden, während die Fingerspitzen der anderen drei Finger in der Mitte des Handtellers unter den Daumen geklemmt werden.

Ich habe die Texte kaum bzw. gar nicht verstehen können. Akustisch nicht. Drum wusste ich nie, worauf sich was bezieht. Und es scheint, als wäre das Konzert voller Anspielungen auf etwas gewesen, das man hätte kennen müssen, um es zu verstehen.

Gestern abend bekam ich also – vermittelt über die Band seines Sohnes – einen ersten Eindruck vom Werk des Vaters, dem die Dweezil Zappa Band ebenso akribisch wie spielfreudig, ebenso sklavisch-respektvoll wie eigenständig begeistert gegenüberstand. Es schien, als hätten sie die Musik Zappas zur Grundlage ihrer eigenen Musikalität genommen und würden sich nun erst mal darauf einlassen, das Werk Zappas durch Nachspielen zu ergründen und auszuschöpfen.

Doch bei allem „Nachspielen“ und damit – trotz oder wegen – des akribischen Respekts vor den Kompositionen des Meisters, war doch die so ganz eigenständige Spielfreude – nicht zuletzt in den akrobatischen (Einzel-)Zirkusnummern – der Musiker sehr präsent..

Man denke hier an die ansteckende Begeisterung (und das ausgesprochen vielseitige, musikalische Spitzenklassenknowhow,) das die die Front-Frau versprüht hat, an die mitreissende und in die Eingeweide gehende Stimme des schwarzen (Original-)Sängers bei den Bluesnummern (hier wurde die Veranstaltung aus den hochdiffizilen und eher intellektuell zu verarbeitenden musikalischen Arrangements in die voll emotionale Unmittelbarkeit rausgerissen, und es wurden auch Neulinge begeistert und zu Tränen gerührt.

Kurz: Dem ganzen wohnte – ausser der Hommage an Frank Zappa – auch etwas Eigenständiges, Lebendiges inne, das immer wieder mal über den Nachspielteller hinausschwappte – etwas jugendlich begeistertes und vor allem stellten sich sehr vielversprechende junge Musiktalente vor, die sicher bald über das angetretene Erbe hinauswachsen werden, nachdem sie es nun schon „fast perfekt“ und wie aus der Milchflasche bzw. von der Musikhochschule, jedenfalls von der Pike auf, in sich aufgenommen haben….

Übrigens habe ich das Bandensemble als sehr „demokratisch“ empfunden – da durfte jeder mal ran… und loslegen und zwar nicht nur „ausnahmsweise“.

Der kleine Zappa wirkte souverän aber nicht wie ein Diktator und auch nicht wie der „Kopf“ der Band – eher wie ein Impresario, der sowohl den Vater als auch sich selbst als auch die anderen Musiker mit sehr viel Respekt zur Geltung brachte und viel Raum liess… Der Sohn Frank Zappas wirkt – neben seinen musikalischen Fähigkeiten – einfach durch Ruhe, Eigenständigkeit, Respekt und dadurch, dass er sich vom Charisma seines Vaters weder erdrücken noch aushebeln lässt. Es war für Momente (bei der Zugaben Video Einspielung mit PappaZappa) durchaus auch so, als als würde PappaZappa geradezu auf Dweezil Zappas Antwort warten und als hätte der Vater seinem Sohn mit Respekt zugehört!

© Cornelia Kleÿboldt

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