Die Jungerfernfahrt einer KunstPiratin hat stattgefunden…
4 Münchner Galerien im Hinterland des Kunstareals zwischen Theresien-, Augusten- und Gabelsbergerstraße wurden am 11.12.2007 zwischen 19.00 und 21.00 Uhr von den Teilnehmern einer GalerienTour unter dem Namen „KunstBeschreibung mit Cornelia Kleÿboldt“ geentert. Dabei gingen ebenso kostbare wie vielfältige KunstStoffe in den Besitz einer begeisterten und wissensbegierigen Horde von KunstPiraten über.
Film und Fernsehen waren leider nicht zugegen, so dass wir hier nicht mit visuellen Beweismaterialien aufwarten können. Allerdings liegt uns eine eindeutige, schriftliche Reaktion einer Besucherin vor, die wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchten:
„Liebe Frau Kleyboldt,
sehr herzlich möchte ich mich bei Ihnen für die außergewöhnlich interessante Führung durch die Schwabinger Galerienwelt bedanken. Nicht nur die Auswahl der Galerien/Künstler (was für ein schönes Kontrastprogramm!), sondern vor allen Dingen die Art wie Sie uns die Kunst vermittelt haben, hat mich sehr angesprochen. Sehr oft „schalte“ ich spätestens nach einer Stunde Führung ab und rase in einem Eiltempo durch den Rest einer Ausstellung weil ich nichts mehr aufnehmen kann.
Sollten Sie in nächster Zeit weitere Führungen anbieten oder mal in Museem/Ausstellungen gehen, würde ich mich sehr freuen, wenn ich mich Ihnen anschließen dürfte.
Beste Grüße„
Kurz und gut:
Die erste Galerieführung mit KunstBeschreibung Cornelia Kleÿboldt war ein voller Erfolg:
Ein Trupp von Kunstliebhabern und solchen, die es werden wollten – Professoren, Doktoren, Rechtsanwälte, Kommunikationsexperten, Unternehmensberater, Programmierer, Kunstsammler und Neugieriege – liess sich – trotz gehäuftem Auftreten von betrieblichen Weihnachtsfeiern – vom Angebot der Kunsthistorikerin aus dem Haus und auf KunstTour in die Galerien locken.
Erstmals und gleichzeitig fand auch die Abendöffnung einiger Galerien im Kunstareal statt, die angesichts des Schneeregens leider von relativ wenigen Besuchern angenommen wurde. Diese nutzten allerdings um so aufmerksamer die Möglichkeit, sich nach Arbeitsende bzw. Geschäftsschluss in aller Ruhe in den Galerien umzusehen.
Mit 28 Personen und fünf weiteren Anfragen, war die Führung hingegen mehr als ausgebucht… ursprünglich als Versuchsballon geplant, stieg sie nun in den Himmel der Kunstführungen auf wie ein leuchtender Weihnachtsstern!
Die Kunsthistorikerin freute sich. In Zukunft ist allerdings eine Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 15 Personen geplant, damit nicht nur der Vortrag sondern auch das Gespräch und die Auseinandersetzung der Teilnehmer mit der Kunst stärker in den Vordergrund rücken können. Solches war bei 28 Teilnehmern nur ansatzweise möglich.
Die Tour begann mit den Bildern des Malers Christian Frosch in der Galerie Dina 4 Projekte. Eine Kunst, die minimaler und konkreter aussieht als sie ist, die durch ihre „einfache“ Komplexität und durch unerwartete Bildlösungen bereichert, verblüfft und auch mal zum Lachen bringt.
Was hat sich der Maler wohl gedacht, als er ein sauber geputztes 1 Liter Farbeimerchen mit eingetrockneter, grüner Farbe an die Wand hing und es dann zum Bild erklärte?
Es sieht so aus als würden Mythen der Malerei durch die Arbeit von Christian Frosch auf den blank geschrubbten Boden der Tatsachen geholt. Die Seele seiner Malerei läßt sich nicht zuletzt im sorgfältig ausgeführten Abstrich aus gelber Farbe blicken…
Die KunstPiratin hatte sich ihren Stoff gründlich angeeignet und erzählte die zu den Kunstwerken passenden KunstGeschichten.
Weiter ging es in „Dina’s Garage“ mit dem angehaltenen „Lebenskarussel“ der Bildhauerin Nina Radelfahr, deren Arbeiten mitteilen, was die Künstlerin immer schon zu wissen scheint.
Wenn man ihre schönen, weissen Figuren sieht und sich in deren Traum versetzt, in dem sich hingebungsvolle Körper allmählich verändern, dann war nicht nur eine Betrachterin so berührt, dass sie im Werk von Nina Radelfahr „seelische Zustände“ verkörpert sah.
In der Galerie von Claus Semerak ging es dann wieder ganz klar, um nicht zu sagen „knallhart“, um Malerei:
Der Galerist vertritt sehr konsequent Positionen zeitgenössischer Malerei, die sich aus der immer wiederkehrenden Frage ergeben, was kann und will eine Malerei inmitten einer medial vermittelten Bilderflut überhaupt (noch oder erst recht!) leisten und was kann ein Maler tun, damit sein Tun sinnvoll bleibt.
Immer wieder verzaubert Malerei, selbst dann, wenn sie bereit ist, auf alle möglichen Konventionen zu verzichten: Wenn die Malerei „tot“ ist (das letzte Mal seit 1981), dann betreiben jene Maler, die an diesem Satz nicht vorbeigekommen sind, eine Arbeit wie die Anatomen. Sie betreiben Grundlagenforschung am Körper der Malerei, der nunmehr „bis auf die Knochen“ zur Verfügung steht.
Man möchte angesichts der mehr und mehr vom hard-edge (den harten Kanten) erlösten Farbfeldmalerei von Richard Schur, dem Umgang mit einer malerisch aufgefassten Ornamentik (wie Mäander und C-Bögen) auf bedruckten Kunststoffen von Annegret Hoch und schliesslich den nicht genau fassbaren (es ist leichter zu sagen, was seine Bilder nicht sind!) Bildlösungen von Stephan Fritsch am liebsten von „Antiästhetik“, sprechen. Allerdings stellt man bei jeder Untersuchung dieser Bilder das „Positive“ dieser Malerei fest, die sich wie jede Malerei mit den Zusammenhängen von Farb- und Bildraum beschäftigt und dabei stets gegenwärtig bleibt.
Die fleissige Kunsthistorikerin belohnte die Zuhörer in einer Kunstpause mit goldenen Bonbons der Marke W.E. Die hatten sich die überaus aufmerksamen Besucher der Führung wirklich verdient.
Der Galerist wartete überraschend mit Bionade in vier Geschmacksrichtungen auf und gab Aufkunft über sein Galerieprogramm.
Claus Semerak weiss – wie seine Maler – ziemlich genau, was ihn interessiert und das vermittelt er mit Feuer und Flamme. Er kennt sich in zeitgenössischen Positionen der Malerei aus (vielleicht besser als mit seiner Westentasche), sammelt sie und lebt mit ihnen. Seine Beziehung zu den Kunstwerken, die er vertritt ist ebenso emotional, wie er sie präzise in der Kunstgeschichte der Gegenwart begründen und einschätzen kann.
Weiter ging es in die Galerie von Karin Sachs, die mit Spätwerken (Zeichnungen, Collagen auf Leinwand und Objekten) und einer frühen Zeichnung („Dorina“ von 1946, die auch der absolute Höhepunkt der Ausstellung ist) von Carol Rama, eine Künstlerin vertritt, die erst in den letzten Jahren eine grössere Aufmerksamkeit auf dem internationalen Kunstmarkt fand. Carol Rama wurde 1918 geboren, lebt und arbeitet in Turin und wird immer mal wieder mit Louise Bourgeois verglichen. Die späte Berühmtheit (Carol Rama wurde 2003 im Rahmen der Biennale von Venedig der goldene Löwe für ihr Lebenswerk verliehen), die obsessive Arbeitsweise, deren zutiefst biografische Ausrichung und eine vollkommen un-verschämte Auseinandersetzung mit der weiblichen Erotik mögen Gründe für diesen Vergleich sein.
Die Besucher liessen sich insbesondere von Fahrradschläuchen in Bronzeguss und von einem wilden, fliegenden Venustorso verführen. Sie sahen sich überall in der Galerie zwischen „La mucca pazza“, der verrückten Kuh und den „Weissagungen von Birnam“ um und ließen die Bilder auf sich wirken, die sich erst mit der genauen Kenntnis der Biografie der Künstlerin so richtig erschließen lassen.
Alle 28 Besucher gingen auch mit zur letzten Station der Führung, die nach zwei Stunden in der Galerie von Michael Heufelder endete. Die Gemälde (Pastelle und Ölbilder) des niederländischen Künstlers Martin van Vreden faszinierten als „virtuelle Bildräume“ bei dem sich Bildraum und der Raum des Betrachters manchmal untrennbar ineinander verschränken und die Besucher von der Klarheit und Virtuosität der Ausführung und von der Schönheit der Bildthemen – zwischen Geometrie und prächtigen Blüten – einfangen und faszinieren liessen.
Die KunstPiratin war am Ende ebenso glücklich wie jene, die ihr gefolgt sind. Und ein Wunsch wurde von verschiedenen Seiten geäussert: Das möchten wir wieder haben!
Mal sehen, was sich tun lässt. Wir sind optimistisch.