Im Münchener Hilton Hotel am Rosenheimer Platz hängen zur Zeit Gemälde von Helga Hornung, die mit ihrem Partner, dem Maler Philipp Reisacher, in Ottobeuren lebt und arbeitet.
Es fällt mir nicht leicht, über die Gemälde von Helga Hornung zu sprechen. Viel zu sehr hängen sie mit Unaussprechlichem zusammen.
Es ist von daher leichter zu sagen, was die Malerei von Helga Hornung nicht ist, als zu sagen, was sie zu jener Besonderheit macht, die durch sie hindurchwirkt.
Ich habe schon einmal im Auftrag von Helga Hornung über ihre Malerei geschrieben und dort gesagt, dass die Kraft ihrer Malerei „ungebrochen“ sei. Das möchte ich auch nach meinem heutigen Besuch bei ihren Bildern sagen.
Was ich vis à vis der Gemälde von Helga Hornung erlebte, hat mich sehr stark berührt. Es war, als würde der Anblick ihrer Gemälde physisch auf mich einwirken.
Jedes der Gemälde verströmte eine andere Art von Energie, fühlte sich in und auf meinem Körper anders an.
Da gab es tatsächlich so etwas wie die Energie „lachenden Sonnenlichtes“, das stärkend und ermutigend für den Tag und für die zu bewältigenden Abenteuer zur Verfügung steht und es gab jene Energie, die in kaum greifbare, geheimnisvolle Tiefenräume einleuchtet wie mattes Mondlicht.
Der Raum zwischen mir und den Gemälden wurde jeweils physisch greifbar, stand wie eine Wand vor mir und umhüllte mich wie ein zweiter Körper, der nicht aus Fleisch und Blut bestand.
Alles zusammen wirkte aufs Herz.
Die Augen aus den Gemälden schienen von hinter den Gemälden, aus einer anderen Welt, durch mich hindurchzusehen und mich unverwandt dort anzublicken und zu treffen, wo ich eben gerade stand
Ich sah die vordergründige Schönheit der Gemälde, ihre leuchtenden Farben und ihre klaren oder besser: vollkommen geklärten Formen und ich erlebte ihre Wirkmacht, die für mich schier überwältigend war.
Was mich berührte war stärker, als das, was ich sehen konnte. Mein Verstand reagiert kleingeistiger als mein Körper fühlen kann.
Das, was auf den Bildern gemalt ist, das mag der eine schön, der andere kitschig finden. Das, was die Bilder transportieren findet jenseits Geschmacksfragen statt.
Manch einer wird daraus vielleicht eine Art indianischer Weltmythologie oder ein Naturmärchen ablesen wollen.
Wieder ein anderer wird vielleicht sagen „Was für schöne Kinderbuchmotive…!“ und noch ein anderer wird diese Bilder als „zu schön“ für diese Welt empfinden.
Nichts dergleichen ist wahr und ich bin die Erste, die auf dergleichen „Harmlosigkeiten“ des Augenscheins hereinfällt, um im gleichen Augenblick daraus zu erwachen.
Dann wird deutlich, das auch die Bildsprache in keinster Weise „harmlos“ ist.
Körperlose Körper, raumlose Räume, gegenstandslose Gegenstände und reine Farben erzählen nicht von der Künstlerin selbst, sondern sind jene in Form gebrachten Kräfte, die auf die Künstlerin einwirken, die sie ohne jedweden eigenen Kommentar hindurchläßt und die sie damit verwirklicht.
Während ich die Bilder ansehe, regt sich mein ganzer Körper. Wunden fühlen sich Wund an, mein Verstand versteht gar nichts mehr und mein Herz öffnet sich.
Diese Gemälde sind Schlüssel. Sie schließen mich, den Betrachter, auf.
Sie berühren und erschließen jene Räume, die einem Menschen in seine Gesamtheit verhelfen und in jene wahren Bezüge in denen er steht.
Die Gemälde von Helga Hornung sind starke Medizin. Und es sind Äpfel von jenem Baum, von dem alle abstammen.
Sie sind jene Medizin, die die Künstlerin sich selbst verabreicht und es ist die Medizin, die mir mehr gibt, als mir oft lieb ist und als ich bereit wäre zuzulassen.
Als ich schier atemlos die Hotelhalle verlasse, weiss ich nicht, wie mir eigentlich geschehen ist.
Ich spüre nur, dass ich mit einer Wucht in Berührung gekommen bin, die für mich noch kaum benennbar, geschweige denn differenzierbar ist.
Die Gemälde von Helga Hornung wirken. Unmittelbar. Sie gehören mit zu den wuchtigsten Gemälden, die ich je erlebt habe.
Nach der Ausstellung war mir, als liefe ich mit einem offenen Herzen durch die Gegend und ich hätte nicht sagen können ob es Schmerz oder Freude, Wunde oder Offenheit war.
In jedem Fall fühlte sich mein Herz viel größer an als noch wenige Augenblicke zuvor.
Cornelia Kleÿboldt M.A.
1 Kommentar
Dezember 15, 2008 um 8:53
Liebe Cornelia ,habe gerade Deinen wunderschönen Text gelesen und bin nun ganz tief davon berührt , daß meine Bilder solch eine starke Auswirkung auf Dich hatten.Es ist ein großes Geheimnis,ein Geschenk des Himmels, daß ich solche Werke schaffen kann ,sie entstehen ganz aus mir selbst. Ich freue mich und bin sehr dankbar , daß ich mit meiner Kunst die Betrachter verzaubern ,stärken und ein wenig froh machen kann.Immer wieder höre ich ,auch von schwer kranken,depressiven,ängstlichen und verzagten Menschen, daß von meinen Bildern eine große Kraft ausgeht.In dieser so schwierigen Zeit,sollten wir alle etwas mehr Liebe für Uns und Andere haben und uns bewußt machen daß Alles mit Allem verbunden ist.Liebe Cornelia ,ich kenne niemanden der ein so tiefes Kunst- Verstehen hat wie Du.
Danke,Helga Hornung